Die ehemalige Jugendherberge am Heideweg


Hier soll die wechselhafte Geschichte eines Gebäudes beleuchtet werden, das mittlerweile komplett aus der Landschaft verschwunden ist.


Bis 1935 diente Hameln die „Jugendburg Oberweser“ auf dem Riepen als Jugendherberge (siehe „Die Riepenburg“). Diese lag aber 7 km von der Stadt entfernt, so das sie für Wanderer, die abends Hameln erreichten als ungeeignet erschien. So bemühte sich der Gau Hannover im Reichsverband Deutscher Jugendherbergen (DJH) darum, für Hameln eine zweckentsprechende
Herberge zu errichten. Nach dem schließen der Herberge auf dem Riepen, gab es mehrere Provisorien, so unter anderen in der ehemaligen Brauerei am Hühnerborn, in einem Gymnasium und im Waisenhaus.

Die Baukosten für den Neubau betrugen ca. 75000 Reichsmark. Der Gau Hannover und der DJH trugen den Großteil der Kosten. Die Stadt Hameln stellte das Grundstück zur Verfügung und steuerte 12000 Reichsmark bei.

1936 begannen die Bauarbeiten nach dem Entwurf des Hamelner Architekten Sassenhausen.
Gebaut wurde im typischen Still der 30er Jahre am Heideweg, oberhalb des Hühnerborn eine Herberge mit etwa 100 Betten und ca. 70 Notbetten. Eingeweiht wurde das Gebäude am 23.Juli 1937 als Jugendherberge für die Stadt Hameln.

Nach etwas mehr als einem Jahr, war es auch schon vorbei mit der eigentlichen Bestimmung. Am 23.September 1938 wurden etwa 100 sudetendeutsche Flüchtlinge, zumeist Frauen und Kinder, die infolge der sich zuspitzenden Sudetenlandkrise geflüchtet waren, in der Jugendherberge untergebracht.

Ab 5.September 1939, zu Beginn des Polen Feldzugs, wurde es ausgewiesen als Wehrmachts-Lazarett mit 55 Betten.

Während des Krieges wurde die Augenklinik des Dr. Twelmeyer aus der Mittelschule in das Gebäude verlegt.

Am 18.Februar 1945 belegten Katholische Ordensfrauen, die mit Reservelazaretten aus dem  Osten kamen, unter anderen die TBC-Station.

Nach dem Krieg wurde das Gebäude als Hilfskrankenhaus für überwiegend TBC-Kranke von der UNRRA (Hilfsorganisation der Alliierten für die Rückführung in ihre Heimatländer von Displaced Persons (DP), also ehemalige KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter oder von den Nationalsozialisten angeworbene ausländische Arbeitskräfte, aufgelöst Ende 1947) übernommen.

 

Doch von Anfang an hatte der Standort der Herberge ein großes Manko: Er lang sehr weit außerhalb der Stadt. Dieses veranlasste die Stadt auch dazu 1951 stadtnaher, an der Fischbecker Straße eine neue Jugendherberge zu bauen, die am 28.Oktober des Jahres eingeweiht wurde.

 

 

Quellen:
-Geschichte der Stadt Hameln, Herausgegeben von Dr. Heinrich Spanuth, fortgeführt von Dr. Rudolf Feige, ergänzt von Fritz Seifert, Verlag der Bücherstube Fritz Seifert, Hameln, 1983.
-Hameln – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 8, Die bauliche Entwicklung Hamelns 1919 – 1939. Verfasser Johann Wittkowsky, Hameln, 1991.

 

 

 
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