Der jüdische Friedhof von Hameln

Der Vorgänger des heutigen Friedhofes lag nach Magister Herr "in der Gegend des Commandanten-Gartens und musste der Festungsbauten halber verlegt werden". Das Gelände dieses vermutlich ältesten Hamelner "Judenkirchhofes" ist damit im Bereich Weserkrankenhaus- Tönebönstift zu suchen.

Im Blick auf den Festungsbau hatte die kleine jüdische Gemeinde bereits früh Schritte zum Kauf eines neuen Grundstückes eingeleitet. Am 22. März 1743 ging ein Stück Gartenland "am Sandfelde" für 72 Reichstaler in den Besitz der Gemeinde über.

 

Zum Festungsbau im Commandanten-Garten kam es erst während des siebenjährigen Krieges 1761/62. Über das Schicksal des alten Friedhofes schreibt Herr: "Bey dieser Gelegenheit wurde auch der Judenkirchhof ...ruiniret und die Leichsteine zu den casemattirten Kirchhofe gebraucht". Offenbar wurden die Grabsteine also zerstört und für den Festungsbau im Bereich des Münsterkirchhofes verwendet.

Für die jüdische Gemeinde muss das ein sehr schmerzlicher Eingriff gewesen sein. War eine Friedhofsverlegung gar nicht zu verhindern, so wurden anderenorts doch wenigstens die Steine des alten Friedhofes auf den neuen überführt.

Der neue, vom Ostertor aus erreichbare Friedhof liegt weit ab von bewohnten Häusern inmitten von Gärten. Noch 1870 beklagen die Hamelnschen Anzeigen den Zustand des Weges vom Ostertor zum Judenkirchhof. "Sollte die Commune diesen Weg ...nicht aus Pietät stets in gutem Zustande erhalten?"

 

Von diesem Friedhof ist noch ein Teil der alten Einfriedung erhalten. Es handelt sich um zwei sorgfältig gestaltete Torpfosten, die heute - weit voneinander entfernt - in die südliche Begrenzungsmauer einbezogen sind. Der Zugang zum Friedhof erfolgte früher von der Sandstraße aus. Als nach der 1880 vorgenommenen Erweiterung des Grundstücks eine Backsteinmauer um den Friedhof gebaut wurde, wurde ein neuer Zugang von der Scharnhorststraße her angelegt.

Der Friedhof war um 1870 nahezu voll belegt. Jüdische Friedhöfe werden von Osten her belegt. Die Toten schauen nach Osten, nach Jerusalem, dorthin, wo das Kommen des Messias erwartet wird. Die Anlage der Gräber erfolgt in Reihen. Bestattet wird nach der zeitlichen Reihenfolge des Todes. Ehegatten liegen deswegen nicht zusammen. Erst seit ca. 1880 kommt es in der Übernahme christlicher Bestattungsbräuche zur Anlage von Familien-
und Erbbegräbnissen.

1879 - die Gemeinde war inzwischen erheblich gewachsen - bietet sich die Gelegenheit zur Erweiterung des Friedhofes. Der westlich angrenzende Garten des Bäckermeisters Hermann Bluhm steht zum Verkauf. Der beantragte Kauf wird von Magistrat und Landdrostei genehmigt. Der Friedhof erhält damit seine heutige winklige Gestalt und Größe (2126 qm).

 

Quelle: B. Gelderblom , www.juedische-geschichte-hameln.de

 
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