Die Hamelner Mühlen

Die Pfortmühle bis 1872
Die Pfortmühle bis 1890
Die Pfortmühle ab 1893
Die Pfortmühle 2001

Mühlen waren für Hameln schon seit Beginn der Stadtentwicklung von besonderer Wichtigkeit. Schon im 9.Jahrhundert sind 6 Mühlen für das heutige Stadtgebiet erwähnt. Bis zum Anfang des 17.Jahrhunderts gab es in Hameln vier Getreidemühlen. Zwei lagen an der Hamelmündung. Die sogenannte Untere Mühle wurde im 17.Jahrhundert für den Bau einer neuen Bastion der Stadtbefestigung abgerissen, die Obere Mühle wurde im Dreizigjährigen Krieg, 1633, bei der Belagerung der Stadt zerstört und wieder aufgebaut. Als im Jahre 1661 die Stadtbefestigung neu angelegt wurde, musste sie für kürzere Zeit wiederum abgebrochen werden und wurde danach wieder errichtet. 1690 wurde sie in eine Walk- und Lohmühle umgewandelt, heute erinnert noch der Name Walkemühle an den Standort bei der Ohsener Straße. Ein weiterer Standort war beim Thietor, am neu erschaffenen Stadtgraben wurde die Thiemühle errichtet. Sie existierte bis zum Jahre 1911, zu der Zeit waren die Wasserverhältnisse im Stadtgraben unzureichend für den Betrieb geworden. Als letztes die Weser- oder Fischpfortenmühle, später nur noch Pfortmühle genannt. Sie wurde 1745 durch Hochwasser schwer beschädigt und ein Jahr später wieder aufgebaut. Es wurde zum erstenmal die große Kraft der Weser genutzt. 1635 wurde die erste Mühle auf dem Werder errichtet, die sogenannte Bruckermühle

 

Im 18.Jahrhundert verlor die Stadt nach einer Zeit der Blüte immer mehr an Bedeutung. Auch die wirtschaftliche Situation der Mühlen verschlechterte sich zunehmend, vorwiegend durch den Siegeszug der Kartoffel, durch die der Bedarf an Getreideerzeugnissen nachhaltig beeinflusst wurde. Nach wechselnden Besitzern übernahm 1873 der aus Oesterweg bei Versmold stammende Mühlenunternehmer Friedrich-Wilhelm Meyer erst die Brücknermühle und 1877 den Trümmerhaufen, der in der Nacht vom 4. zum 5.11.1871 durch Selbstentzündung des Getreides völlig ausgebrannte Pfortmühle. Das Gebäude wurde als großer Neubau speziell zum Roggenvermahlen erstellt. Damit war F.W. Meyer Inhaber der bedeutendsten Mühlen in der Stadt geworden. Es gab aber auch wieder Rückschläge: Am 7.11.1887 wurde der Nordflügel der gerade fertiggestellten Werdermühle durch eine Staubexplosion zerstört, das Unglück forderte 11 Todesopfer! Die Fachwelt stand zu der Zeit vor einem Rätsel, da dies die erste Staubexplosion in Europa war. Ein zweites schweres Unglück folgte wenige Jahre später am 11.4.1893, als in der Reinigung der Pfortmühle ein Feuer ausbrach. Die Mühle brannte völlig aus und die Ruinen wurden gesprengt.

 

Werdermühle um 1839
Werdermühle 1887
Werdermühle bis 1945

Meyer ließ sich nicht entmutigen und errichtet 1895 die Pfortmühle als größeren und leistungsfähigeren Betrieb neu. Moderne Entstaubungs- und Feuerlöschanlagen sollten fortan Katastrophen verhindern. Die Wesermühlen in Hameln hatten sich inzwischen zu den modernsten ihrer Art in Europa entwickelt. Meyer hatte sein ganzes Kapital in die Mühlen gesteckt. Das Gelände, die Neubauten und Reparaturen hatten hohe Summen verschlungen, ohne dass hierfür die notwendigen Gewinne erwirtschaftet werden konnten. 1898 musste er deshalb sein Unternehmen in eine AG umwandeln. Im weiteren Verlauf verlor Meyer seinen Einfluss auf die Mühlen und einen großen Teil seines Vermögens. Die Aktienmajorität lag nun bei der Dresdner Bank. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg und im Krieg ergaben sich für die Mühlenindustrie nochmals ein neuer Aufschwung. Die Unabhängigkeit von anderen Energiequellen durch die eigenen Wasserkräfte wirkte sich sehr vorteilhaft aus.

 

Im Ersten Weltkrieg wurde noch der Rieselspeicher am Hafen gebaut (7000t), dieser Standort wird zur Grundlage der Entwicklung nach der Zerstörung der Wesermühlen im Zweiten Weltkrieg. Am 1.1.1937 wechselten die Wesermühlen erneut ihren Besitzer. Mit den Aktienpaket der Dresdner Bank erwarb nun der Mühlenfachmann und -kaufmann Kurt Kampffmeyer die Mühlen und gliederte sie seiner in Deutschland weit verzweigten Unternehmensgruppe ein.

Im Zweiten Weltkrieg  hatten die Hamelner Mühlen eine überragende Stellung eingenommen bei der weiträumigen  Sicherung der Volksernährung. In den letzten Tagen wurde die Weizenmühle auf dem Werder zerstört. Unverzüglich wurde 1945/46 im Rieselspeicher am Hafen eine Behelfsmühle mit der Tagesleistung von 85 t eingerichtet. Die Pfortmühle blieb unversehrt. Im Herbst 1948 wurde am Hafen ein neues Mühlengebäude errichtet, das in der Folgezeit auch die Produktion der Pfortmühle übernahm. In dem Gebäude wurde 1990, nach dem es viele Jahre Leerstand und darum eine große Diskussion geführt wurde, sogar von Abriss war die Rede, die Stadtbücherei und ein Restaurant eröffnet. Dazu kam 2003 das Stadtarchiv. Ausserdem wird dort unter der Regie der Stadtwerke Strom erzeugt.

 

Auf dem Werder wurden die Trümmer der zerstörten Gebäude entfernt und ein Wasserkraftwerk errichtet das die Wesermühlen mit Strom versorgte. Dieses steht seit einigen Jahren still und wird im Moment zurückgebaut.

 

Die Mühle am Hafen war bis zu ihrer Stilllegung 2013 einstmals eine der größten Anlagen in Deutschland. Hier wurden Weizen, Roggen und Mais gemahlen und verarbeitet. Was mit den umfangreichen Gebäuden geschieht ist noch unklar. 

 

Damit endet in Hameln eine über 1200 jährige Mühlengeschichte.

 
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