Vom Exerzierplatz, über Stadion zum Bürgergarten

Blick auf den Exerzierplatz um 1900

Im Bereich zwischen Deisterallee und Sedanstraße lagen die Bastionen "Georg Ludwig" und "August" sowie des Ravelins "Wilhem Heinrich" und wurde von dem breiten Hauptgraben durchquert. Nachdem die französische Besatzungsmacht, dem Befehle Napoleons folgend, 1808 die starken Festungswerke geschleift hatte und der breite Graben zugeschüttet war, entstand eine ausgedehnte Fläche, die jeweils als Viehweide verpachtet wurde oder als Exerzierplatz benutzt wurde.

Als die Stadt im Jahre 1850 nach jahrzehntelangem Prozessieren über die Rückgabe des ehemaligen Festungsgelände mit dem Militärvermögenssamtes einen vergleich abschloss, erzielte sie nur einen Teilerfolg. Den bei weitem größeren Abschnitt des umfangreichen Geländes, im wesentlichen den Raum zwischen Erich- und Mühlenstraße, behielt sich das hannoversche Kriegsministerium vor. Südlich von dem heutigen Ostertorwall kam es nach und nach zur Bebauung und zur Anlegung neuer Straßen. Anders dagegen in Nordosten, denn die Garnison hatte zwischen Kastanienwall und Festungshamel ihren Exerzierplatz, der sich bis zur heutigen Deisterallee erstreckte.

Der Exerzierplatz zwischen Kastanienwall und Hamel, 1897
Blick von der Deisteralle auf das Stadion, 50er Jahre

Da sich Hameln im Zuge der wachsenden Industrialisierung ständig vergrößerte, sah sich die Stadtverwaltung 1890 vor die Notwendigkeit gestellt, für die Außenbezirke einen einheitlichen Bebauungsplan einzuführen. Nach dem Vorbild anderer Städte wollten sie im Bereich des Festungsgürtels zwischen Wettorstraße und Wilhelmsplatz einen breiten Grünstreifen mit öffentlichen Anlagen schaffen, als deren Zentrum sie den alten Exerzierplatz wählten. Es waren symmetrisch angeordnete Rondelle vorgesehen, zwischen denen die Hamel zu einem Wasserbecken erweitert werden sollte, flankiert von wegdurchzogenen Parkflächen. Für eine Stadt von damals rund 13.600 Einwohnern ein sehr großzügiges Vorhaben. Allerdings gelang es der Stadt erst  im März 1897 das 10,5 Hektar umfassende Gelände des Exerzierplatz  für 600.000 Mark vom Reichsschatzamt in Berlin käuflich zu erwerben.

Wegen der künftigen Nutzung des Areals gingen die Auffassungen allerdings auseinander. Man dachte daran die ehemalige Scharnhorst-Kaserne für das zweite Bataillon des Infanterie-Regimentes 164 dort zu bauen, entschied sich allerdings dann doch für das Gelände an der Sandstraße. Einsichtige Persönlichkeiten versuchten der Stadt doch im Sinne des Bebauungsplanes eine Parkanlage auf dem Gelände zu sichern. Doch die Krisenjahre nach den Jahrhundertwende waren für solche Pläne nicht günstig. Um die stark in Anspruch genommene Stadtkasse zu entlasten, wurden immer mehr Bauplätze verkauft. Von der Wettorstraße aus, die 1897 erst einseitig bebaut war, schritt die lockere Bebauung langsam über die Waterloostraße zur Sedanstraße fort. An der Sedanstraße füllte der 1924 errichtete Neubau der Landwirtschaftlichen Lehranstalt des Landkreises Hameln/Pyrmont (heute Sozialamt) eine Baulücke. Die Gröninger Straße wurde verlängert und an der teilweise begradigten Hamel entstand die Ringstraße (heute 164er Ring). Am Kastanienwall hatte man 1902 als einziges Gebäude die Reichsbanknebenstelle (heute Landeszentralbank) auf dem Gelände errichtet. Trotz der guten Vorsätze des 19.Jahrhunderts dachte man sogar daran parallel der Sedan- eine Metzerstraße und quer über den Platz eine Moltkestraße anzulegen. Der Erste Weltkrieg stoppte die weiteren Planungen. Vorher gelang es noch, eine größere Fläche als städtische Eisbahn anzulegen.

 

Blick auf das Stadion

Nach dem Krieg, im Jahre 1921, wurde im Stadtbauamt der Beschluss gefasst, an der Deisterallee eine Sportanlage zu schaffen. Erst 1924 wurde der Plan von der Stadtvertretung gebilligt und der zur Deisterstraße gelegene Teil des Exerzierplatzes zur Anlegung eines Stadions mit einer 400 Meter Laufbahn, einem stufenförmig ansteigenden Zuschauerwall, einem Fußballfeld und den Anlagen für andere verschiedene Sportarten. Doch schon in den 20er Jahren wurde der Gedanken an einen Park nicht aufgegeben. Die Stadtvertretung betrachtete das Stadion als eine zeitlich begrenzte Zwischenlösung, um auch die damals wieder geforderte Bebauung des Geländes zu verhindern. 1961 beschließt der Stadtrat das Stadion in einen Bürgergarten umzuwandeln. Nach einjähriger Bauzeit konnte die Anlage am 5.5.1962 mit einer Gartenbau-Ausstellung eröffnet werden. Der Bürgergarten zeichnet sich durch eine große zentrale Rasenfläche aus. Sie wird von Rabatten mit wechselnder, der Jahreszeit entsprechenden Bepflanzung eingerahmt. Hinter der Rasenfläche befindet sich als Blickfang, ein im Still der 50er Jahre angelegtes, rechteckiges Wasserbecken mit zahlreichen Fontänen.

 

Der Bürgergarten

Die äußeren Bereiche sind in eine aktive und eine passive Zone geteilt. Während die der Altstadt zugewandte Seite der aktiven Erholung gewidmet ist mit einen Kinderspielplatz, Freischachanlage und eine Freiluftbühne, bietet die stadtauswärts gelegenen zahlreiche Sitzmöglichkeiten zwischen einen vielfältigen Pflanzensortiment, an einem kleinen Teich oder in der schattigen Pergola.

Der Bürgergarten wird eingerahmt von alten Kastanien. Sie stammen noch aus der Zeit, als das Gelände noch Stadion war und die Bäume hinter den Zuschauerwällen angepflanzt wurden.

 

In den letzten Jahren wurde der Bürgergarten auch benutzt als Veranstaltungsort für diverse Feste, Konzerte, Open Air Kino, als Eisbahn und im Dezember 2014 gastierte dort der Circus Roncalli.

 
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