Die Riepenburg

In der Feldmark Groß Berkel gelegen und heute als Schullandheim der Stadt Hannover genutzt, diente es in ihrer Geschichte sehr unterschiedlichen Zwecken. Um 1890 wurden die Wohngebäude und ein großes Wirtschafts- und Stallgebäude von dem Gastwirt Rettberg erbaut und als Gastwirtschaft betrieben.

Die unter dem Namen "Rettbergs Höhe" bekannten Gebäude dienten später bis ca.1914 einem Franzosen als Schlachterei und Mästerei. Mit Ausbruch des 1.Weltkrieges verließ der Franzose die Gegend und legte den Betrieb still. In den folgenden Jahren wurden die Gebäude von der Familie Redecker für die Landwirtschaft genutzt. Anfang 1920 erwarb die Stadt die Gebäude und 8 Morgen Land von den Redeckers für ca. 60.000 Mark.

Das Anwesen wurde jetzt, in Zusammenarbeit mit dem Vaterländischen Frauenverein Hameln-Stadt, als Kindererholungsheim für ca. 40 erholungsbedürftige Kinder genutzt, die nach dem 1.Weltkrieg von Unterernährung und Tuberkulose bedroht waren. Auf Anregung des Gymnasiallehrers Flügge wurde das Interesse eines amerikanischen Frauenvereins, der "Quarter Collection Brooklyn" auf das Erholungsheim gelenkt, das finanzielle Unterstützung und Sachspenden aus dem Ausland für das Kinderheim "Brooklyn" übernahm und eine Erweiterung des Heims ermöglichte.

Ab 01.01.1928  wurde die Riepenburg Jugendherberge und bekam den Namen "Jugendburg Oberweser". Um einen geordneten Betrieb in der Jugendherberge zu sichern, mussten in den nächsten Jahren umfangreiche Umbauarbeiten vorgenommen werden, um Übernachtungsmöglichkeiten für 200 bis 300 Betten und zusätzlich ein Massenlager für bis zu 1000 Personen auf Strohsäcken zu schaffen. Unter anderem musste die sanitäre Versorgung gesichert werden und eine Stromleitung gelegt werden. Zu den Benutzern zählten neben Einzelwanderern vor allem Jugendgruppen und Schulklassen, die die Einrichtung als Tagesstätte, Landschulheim und Ferienheim nutzten. Hier seien die Guttempler Wehrlogen, die Deutsche Turnerschaft und der Jung-Jüdische Wanderbund (JJWB) (diese hielten hier 1928 und 1929 zionistische Tagungen ab) genannt.

1932 richtete das Arbeitsamt ein Arbeitsdienstlager ein, das vom "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold für den Gau Hannover" organisiert wurde. Die "Freiwilligen" sollten auf der großen Spielwiese bei der Jugendburg Oberweser ein Schwimm- und Planschbecken und ein Spiel- und Sportplatz errichten und die Zufahrtswege verbessern.

Im November 1934 lief der Pachtvertrag mit der DJH-Ortgruppe Hameln aus und kurze Zeit später übernahm die Hitlerjugend die Jugendburg. In der neuen "HJ-Gebietsführerschule Peter Fries" fanden HJ-Unterführer Kurse statt, außerdem nutzte die Landesbauernschaft die Einrichtung für Jungbauern-Schulungskurse.

Von der HJ waren große Umbaumaßnahmen geplant, doch ein Großbrand im 48 m langen Hauptgebäude im Dezember 1935 machten diesen Plänen ein Ende, die HJ beschloss darauf einen Neubau in Querum bei Braunschweig.

Im Januar 1937 übernahm die NSDAP das Gelände und richtete dort eine Kreisschulungsstätte ein. Dort wurden Politische Leiter, Ortgruppen- und Organisationsleiter,  sämtliche Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinderäte des Kreises und der Stadt Hameln vor allem in Wochenendkursen einer eingehenden weltanschaulichen Schulung unterzogen.

Nach dem Krieg wurde dort ein Heim für Vertriebene und Verschleppte eingerichtet.

Von 1946 bis 1954 war es eine Heilstätte für TBC-Kranke.

Nach grundlegender Renovierung wurde es bis heute zum Schullandheim.

 
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