Das Gut Hastenbeck und seine Herren

Das Schloss 1869

Das Rittergut Hastenbeck wurde bereits im 13.Jahrhundert das erste Mal erwähnt. Der Burgbesitz war ein Lehen der Grafen von Everstein und nach deren Aussterben 1409 der Herzöge von Braunschweig-Calenberg. Die Leheninhaber waren die Ritter von Hastenbeke, später Hastenbeck und gehörten dem Uradel an. Sie werden in den Hamelner Urkundenbücher oft erwähnt und besaßen Grundbesitz in den umliegenden Dörfer und der Stadt Hameln. Mit Hartung von Hastenbeck, der mit einer von Reden verheiratet war, starb das Geschlecht um 1550 aus.

In den nächsten Jahren wurde das Gut Hastenbeck von den Herzögen nur verpfändet. Im Jahre 1618 verkaufte der Herzog von Braunschweig und Lüneburg das Gut an den aus pommerschen Geschlecht stammenden Arnd von Wobersnow für 30.000 Taler. Etwas nördlich des alten Burgsitzes Hastenbeck ließ er an der Haste die Festung "Wobersnow" bauen. Ob diese jemals vollendet und, oder von Tillyschen Soldaten bei der Belagerung von Hameln im 30 jährigen Krieg im Jahre 1633 zerstört wurde, ist nicht erwiesen. Auch ließ er die baufällige Kapelle abreißen und die heute noch bestehende Kirche errichten.

Um seine aufwendigen Baupläne verwirklichen zu können, hatte Wobersnow als Münzkommissar 1617 damit begonnen Silbergroschen zu verfälschen. Die Münzen hatten nur noch einen minderen Silbergehalt. Es war der Beginn der "Kipper und Wipper"-Zeit, die nicht nur im Braunschweigischen rasch um sich griff und damit eine heillose Inflation hervorrief und viele in den Bankrott trieb. Nach Aufdeckung seiner Machenschaften flüchtete Wobersnow nach Hildesheim, wo er 1621 starb.

Der Herzog ließ daraufhin alle Wobernower Güter im Herzogtum konfiszieren. Auf Grund der Proteste und Klagen der Witwe wurde 1639 das Gut Hastenbeck den Wobernows zurückgegeben. Sie traten infolge finanzieller Schwierigkeiten ihre Rechte für 8000 Taler an Henning von Reden ab. Dieser bekam vom Herzog den Lehnbrief über Haus, Dorf und Gericht zu Hastenbeck. Wie die von Hastenbeck, gehören auch die von Reden den hiesigen Uradel an und stammen aus Reden bei Pattensen.

 

Das neue Wohnhaus von 1954

Die von Reden bauten 1635 abseits der alten Festung ein neues Herrenhaus. An dessen Stelle entstand 1869 der neugotische Schlossbau aus roten Keupersandstein der Obensburg. Der zweiflügelige Bau hat breite Giebelfronten, ein hohes Dach und einen großen Treppenturm mit Rundfenstern. 1952 waren nach einem Brand die wichtigsten Wirtschaftsgebäude zerstört.  Im Jahre 1954 wurde auf freien Feld ein neues Wohnhaus mit dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden errichtet.

Im 18.Jahrhundert gab es eine symmetrische Gartenanlage mit Obst- und Gemüsegärten und einen noch heute vorhandenen Orangeriegebäude. Im 19.Jahrhundert, nach den Freiheitskriegen, wurden die Gärten in einen Landschaftspark verwandelt, worin die Reste der alten Festung mit einbezogen wurde. Unmittelbar an der Rückseite des Schlosses liegt eine große Rasenfläche mit großen Solitärgehölzen. Daran schließt sich das ehemalige Festungsgelände an. Die vier Eckbastionen und die verbindenden Wälle sind noch zu erkennen. An der dem Schloss zugewandten Nordseite hat sich eine Mauer und in den östlichen Wall ein Kasemattenraum erhalten, der als Apfelkeller und im 2.Weltkrieg als Luftschutzraum diente. Auch der Wassergraben, der die Festung umgeben hat, ist in Teilen noch erhalten. Auch befindet sich die 1832 errichtete Begräbnisstätte der Familie von Reden/Hohlt im Park. Leider ist der Park stark verwildert.

Da der letzte Gutsherr Bruno von Reden (1870-1962) ohne männlichen Nachkommen war, sein Sohn Ernst-August fiel im 2.Weltkrieg 1943, ging das Rittergut 1947 an Anna Hohlt geb. von Reden und 1967 an deren Sohn Hermann-Garlich Hohlt, der es bereits seit 1957 bewirtschaftet hatte, über. Dieser übertrug das Gut 1995 an seinen Sohn Frank-Garlich.

 
Betreiber: Jörg Meyer | Webdesign/Typo3: SOL.Service Online, Hameln