Forsthaus Heisenküche, der Schweineberg und die Märzenbecher-Blüte

Das Forsthaus

Am 2.Oktober 1794 bezog der Forstknecht Anton Hundertmark mit seiner Familie das neu erbaute Fachwerkhaus am Fuße des Schweineberges.

Die Heisenküche ist ursprünglich als Forstgebäude und als Wohnsitz des zuständigen Revierförsters des Ostertorreviers, einem von drei Bezirken des Hamelner Stadtwaldes (außerdem: Neuetorrevier = Wehl und Brückentorrevier = Finkenborn), zwischen 1792 und 1794 erbaut worden.

Der Ort hieß in den alte Flurkarten schon vor der Errichtung des Fachwerkhauses Heisenküche. Die Herkunft des Namens ist bis heute nicht eindeutig geklärt; wahrscheinlich stand eine "Hessenküche" aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges Pate, nichts spricht hingegen für die Herleitung von dem Familiennamen Heise. Wahrscheinlicher ist, da in alten Urkunden der Name Hasenkök (Hasenküche) gebraucht wird. Die Hasenküche ist im Volksmund nach ein Platz, an dem der Frühnebel sich am ersten und längsten lagert und der Hase deshalb am liebsten zu seiner Mahlzeit auf die Felder austritt.

Die ersten Jahrzehnte diente das Gebäude ausschließlich als Forsthaus. Der Förster hatte freie Unterkunft und hielt in den Stallungen Vieh, das er Weiderecht in seinem Revier hatte. Trotzdem hatte die Försterfamilie Schwierigkeiten mit ihrem Lebensunterhalt. Als 1806, in den napoleonischen Kriegen, das Forsthaus auch noch von feindlichen Soldaten geplündert wurde, verschärfte sich die Situation für die Bewohner noch.

Im Jahre 1824 übernahm Christian Redlich, ein freiwilliger der Befreiungskriege gegen Napoleon und Schwiegersohn Hundertmarks, die Försterstelle. 1864 beerbte ihn sein Sohn Georg, der bis 1904 amtierte.

Wegen der idealen Lage am Walde wurde das Forsthaus von zahlreichen Wanderern aufgesucht, so dass den Forstleuten die Gaststättenkonzession erteilt wurde und sie damit ihre damals kargen Forstdienstgehälter aufbesserten. An Sonntagen wurden Tanzvergnügen und Unterhaltungsmusik geboten. Da offenbar der eigentliche forstliche Pflichtenbereich durch die Gästebetreuung vernachlässigt wurde, entschied sich der Rat  im Jahre 1905, die drei Forsthäuser als städtische Waldgaststätten zu verpachten.

Erster hauptberuflicher Gastwirt der Heisenküche war 1905 Conrad Henze. So endet die Ära der alten Forsthäuser, nur der Name Forsthaus blieb erhalten. Henze führte die Gaststätte bis 1933 durch allgemein nicht rosige wirtschaftliche Zeiten, dazu kamen noch Bewirtschaftungsmängel. Auch an dem über hundertjährigen Gebäude nagte der Zahn der Zeit und die Besucherzahlen gingen stark zurück.

 

Die Terrasse
Der Informationspavillion

Von 1933 bis 1968 bewirtschaftete die Familie Pieper die Heisenküche. Das Gebäude wurde renoviert und eine große Terrasse für die Außenbewirtung vor dem Haus angelegt. Die Gästezahlen stiegen wieder und die Gaststätte gewann ihre alte Beliebtheit zurück.

Im 2.Weltkrieg musste die Gastwirtschaft schließen. Die Heisenküche diente als Lager zweier Hamelner Gaststätten, die hier ihre Waren vor den alliierten Luftangriffen in Sicherheit brachten. Im April 1945 suchten über 400 Menschen in den Abseits gelegenen Anwesen Schutz vor dem starken alliierten Artilleriefeuer. Nach der Befreiung Hamelns requirierten alliierte Soldaten die in der Heisenküche gelagerten Waren (Bekleidung und Schuhe) für die in der Linsingen-Kaserne untergebrachten, befreiten russischen und polnischen Zwangsarbeitern.

1947 kam der Pächter aus der Kriegsgefangenschaft zurück und nahm den Gastbetrieb wieder auf. Bis 1968, über die Nachkriegszeit und dem Wirtschaftswunder hinaus blieben die Piepers die Wirte. Ende der 1950er Jahre erhielt das Haus einen Stromanschluss und einige Jahre später fließendes Wasser.
Den Piepers folgte bis 1978 die Familie Dombeck, die früher die Pächter der Holtenser Warte waren. Sie betrieben zunächst noch Viehhaltung, 1972 wurde der Schweinestall, Scheune und Schuppen abgerissen.

Seit Ende 1978 beherbergte die Heisenküche für mehr als ein Jahrzehnt zwei jugoslawische Wirte, von 1978 bis 1984 die Gebrüder Djurjevic und bis 1989 die Familie Kugic, wo natürlich der Schwerpunkt auf Balkan-Spezialitäten lag. In dieser Zeit ließ die Stadt das Gebäude umfangreich modernisieren. Fenster und Dach wurden erneuert und die Wänden isoliert, außerdem eine Zentralheizung eingebaut.

1989 übernahm Familie Schatzberg die Gaststätte mit Schwerpunkt auf naturnaher Vollwertküche.

Seit April 2001 betreibt Familie Aigelsreiter das Forsthaus. Bei dem Küchenchef aus Österreich finden sich viele österreichische Komponenten in seiner Speisekarte mit den passenden Weinen aus seiner Heimat.

 

Schautafel zum Waldinformationspfad
Informationstafeln zu verschiedenen Baumarten

Im März zieht der Schweineberg wie kein anderes Wanderziel der Umgebung die Naturfreunde aus dem weiteren Umkreis an. Grund dafür ist die Blüte der Märzenbecher, die im Vorfrühling fast teppichartig den vom vorjährigen Buchenlaub rostbraunen Waldboden bedecken. Es gilt als das größte Vorkommen in Norddeutschland. Es erstreckt sich in der Länge von etwa anderthalb Kilometer Länge und einer Breite von ein- bis zweihundert Meter. Während der Hauptblütezeit werden 80 bis 120 offene Blüten je Quadratmeter gezählt. Den Namen Märzenbecher haben die Zwiebelgewächse nur im Volksmund. Die botanischen Bezeichnungen sind Frühlingsknotenblume und Große Waldschneeglöckchen.

1947 wurde bereits eine 160 Hektar große Fläche, als erste in Niedersachsen, zu ihrem Schutz zum Naturschutzgebiet Schweineberg erklärt. Es gibt aber noch eine ganze Reihe weiterer geschützter oder seltener Pflanzen, die im Frühling bis in den Sommer auf dem Schweineberg blühen. Oberhalb des Wanderparkplatzes Holtenser Warte befindet sich ein Informationspavillon, wo man über ihr Vorkommen und Aussehen, aber auch über Geologie, Geschichte und waldbaulichen Aspekte des Schweineberges informieren kann. Außerdem befindet sich dort eine große Wanderkarte.

Nahe des Waldrestaurants Heisenküche stehen auf einer Fläche von 4 Hektar die ältesten und interessantesten Bäume des Hamelner Stadtwaldes. 1985 wurde ein 1 Kilometer langer Waldbaulicher Lehrpfad eingerichtet. Dort kann man sich anhand von Informationstafeln über Holzart, Alter, Höhe, Durchmesser und Holzmasse von 18 bis zu 200 Jahren alter Baumriesen vieler heimischer Arten, die Generationen von Forstleuten gehegt und gepflegt haben, informieren. Außerdem gibt es dort einen 150 Jahre alten Esskastanienbestand.

Ein Spaziergang lohnt sich auf jeden fall zu jeder Jahrezeit.

 
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