Die Bergfestung von 1760 - 1808

Lage von Fort 1,2 und 3

König Georg III. beauftragte den Grafen Wilhelm, regierender Fürst zu Schaumburg-Lippe und während des 7jährigen Krieges Generalfeldzeugmeister, Vorschläge zur Verbesserung der Festung Hameln zu machen. Darauf geht im wesentlichen die Anlage der Forts auf dem Klüt zurück. Graf Wilhelm erkannte die strategische Bedeutung des Berges und begann noch im Kriege mit der Ausführung. Bei Kriegsende waren die Arbeiten an Fort George (Fort I) im Wesentlichen abgeschlossen. Die benötigten Steine kamen aus dem Süntel und per Schiff aus Bodenwerder.

Zwischen 1774 und 1784 wurden durch Graf Wilhelms Nachfolgern, den hannoverschen Ingenieur-General Kunze und Oberstleutnant Schneider, auf dem Berg 2 weitere Forts geschaffen.

Im Endzustand sah die gesamte Klütfestung folgendermaßen aus: Auf der höchsten Stelle des Berges (heute Klütturm und Gaststätte, siehe auch "Der Klütturm") befand sich Fort I, dann der zur Weser abfallenden Rückenlinie des Klüt folgend auf halber Höhe Fort II und oberhalb des ehemaligen Felsenkeller(„Sternschanze“) Fort III. Alle 3 Forts besaßen Kasematten. Untereinander hatten sie eine offene Verbindung, die eine vorgeschobene Batterie bei Fort II verteidigte. Die beiden unteren Forts verband ein unterirdischer Gang. Zu beiden Seiten des Forts II führten Treppen den Berghang hinab, an deren unterem Ende sich kassemattierte Wachtürme befanden. Vor dem Fort I nach der Bergseite und vor Fort III nach der Weser lagen Minengalerien. Durch Hecken und natürliche 4 Fuß hohe Verhaue wurden die steilen Berghänge noch unzugänglicher gemacht.

1806 errichteten die Preußen das Fort IV an der Pyrmonter Straße, das sogenannte „Fort Louise“. Es sollte den Teil des Hummetales unter Feuer nehmen, der von Fort III nicht bestrichen werden konnte.

Das Fort I war eine reguläre 6-eckige Sternschanze, deren nördliche Seite mit einem Mantel umgeben war und um welche ein bedeckter Weg lief. Unter allen Linien der Schanze und des Mantels waren unterirdische Gewölbe, die zur Sicherheit der Besatzung, des nötigen Vorrats und zur Verteidigung der Gräben dienten. Sie waren feucht und dumpf. Alles war aus Quadersteinen gebaut, die Brustwehren waren aus Backstein. Mitten im Fort lag das Kommandantenhaus, ein viereckiges bombenfestes Gebäude mit Souterrains, worunter sich der Wasserbrunnen befand. Er war 160 m tief und 8 Personen förderten in 11 bis 12 Minuten ca.300 Liter Wasser ans Tageslicht. Der Zugang zum Fort erfolgte über eine Zugbrücke an der Nordseite.

Auch Fort II besaß einen Brunnen, er war 138 m tief, hier brauchten 8 Personen 7 bis 8 Minuten ca.300 Liter Wasser zu fördern. Das Fort war ab 1774 massiv gebaut mit einer Mauerstärke von ca.3 m. Das Mauerwerk war wasserdicht, als Bindemasse hatte man Sand und Mergel verwendet.

Bei Fort III hatte man Probleme mit dem leicht ausfließenden Mergelboden. Selbst das Bewerfen der Böschung mit Kalk und Sand schützte nur einige Zeit vor dem Verfall.  

Fort IV (Fort Louise) war eine Coupure. Sie war kein eigentliches Fort, denn sie besaß nur eine Front, die auf den Ohrberg gerichtet war. Ein Graben durchschnitt an dieser Stelle die Straße. Ein Fahrzeug konnte nur über eine schmale Brücke diese Sperre überwinden. An der Bergseite der Straße stand ein Wachhaus mit bombensicherer Decke. Gestaffelte Gräben mit Brustwehren an der Rückseite stellen die Verbindung zu Fort III her. Verteidigt wurde Fort IV mit wenigen Geschützen und Handwaffen.

Des weiteren befanden sich auf dem Klüt vier Sternschanzen:

  • am Gasthaus Finkenborn (heute noch zu erkennen)
  • am Weg zum Klütturm
  • neben der Straße vom Finkenborn zum Klütturm,(15 Meter nördlich der  Straße, 200 Meter östlich des Finkenborns, etwar 20 Meter im Quadrat
  • am Kleinschmidtsweg. Ein Verbindungsweg führt von hier hinauf zum ,Exerzierplatz“ am Klüthang.


Diese Sternschanzen sollten nur im Verteidigungsfall mit leichtem Geschütz und wenigen Grenadieren besetzt werden.

Das Fort George, krönende Festungsanlage der Landesfestung Hameln, zählte seit 1761 mit zu den stärksten Landesfestungen in Mitteleuropa. Diese Umstand brachte ihr auch den Beinamen „Gibraltar des Nordens“ ein.

Am 20. November 1806 leitete die Kapitulation der Festung Hameln die Übergabe der Stadt an französische Truppen ein und damit auch das Ende der Klütfestung.—Kaiser Napoleon befahl die Festungsanlagen zu schleifen. Die Schleifung der Festungsanlagen geschah mit großen Aufwand und sehr gründlich. Aus den Resten entstand im Jahre 1843 der Klütturm, auch Georgsturm genannt.

 
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