Die Landwehr

Die Wehrberger Warte
Die Berkler Warte, links um 1500 und rechts um 1890
Die Berkler Warte um 1950
Wälle an der Holtenser Landwehr

Ein wesentliches Merkmal der mittelalterlichen Stadt ist die Befestigung. Innerhalb der Stadt boten feste Mauern und verschlossene Tore den Bewohnern Schutz vor Feinden. Vor den Toren der Stadt waren bei der allgemeinen Unsicherheit, wie sie im Mittelalter herrschte, die auf dem Feldern und Wiesen arbeitenden Bürger, ihr Vieh und ihre Ernte den räuberischen Zugriffen möglicher Feinde ausgesetzt. Deswegen errichtete man zu der Stadtbefestigung noch eine Landwehr an den Grenzen des städtischen Gebietes. Diese bestanden aus Wall und Graben, aber das wichtigste Hindernis waren die dichten, breiten Hecken, Knick genannt. Knick deswegen, weil die Zweige der sie bildenen Bäume und Sträucher geknickt und mit den Zweigen der daneben stehenden Bäume und Sträucher verbunden und verflochten waren. Das Gestrüpp wurde zu einer undurchdringlichen Masse. Der Graben befindet sich meist auf der Außenseite des Walles, oft auch auf beiden Seiten, oder wie bei den heute noch gut erhaltenen Holtenser Landwehr, sind es  mehrere Gräben und Wälle. Wo ein natürlicher Schutz durch breitgelagerte, unwegsame Wälder und Wasserläufe vorhanden war, wie es beim Hamelner Stadtgebiet auf weiten Strecken der Fall war, sah man von der Anlage einer Landwehr ab. Nur an wenigen Stellen, wo die in die Stadt führenden Landstrassen die Landwehr durchschnitten, war ein schnelles Eindringen möglich, an diesen Orten befanden sich Schlagbäume und Warttürme, deren Wächter die Aufgabe hatte, die Bürger der Stadt auf die nahende Gefahr aufmerksam zu machen und so die Stadt vor Überrumpelung zu schützen.

Seit dem 14.Jahrhundert, der ersten Erwähnung der Landwehr in Dokumenten, erweiterte sich die Stadtflur durch in der Stadt personell wie materiell aufgegangen Dörfer (die Menschen zog es in die sichere Stadt), dementsprechend verliefen die älteren Landwehren in geringerer Entfernung von der Stadt. Ein guterhaltenes Teilstück ist an der Holtenser Landstraße, auf der Höhe der Brüdersteine. Östlich und westlich, auf einer Länge von ca.1 km, zieht sich der Rest der Landwehr , bestehend aus Außen-, teilweise auch mit Innengraben versehener Wall von stattlicher Höhe entlang.

In Wesernähe konnten keinen Wälle oder Hecken (Knicke) angelegt werden, bei Hochwasser hätte man das Wasser aufgestaut. Man findet hier sogenannte Landwehrgräben, die breit und tief genug waren, einen möglichen Feind aufzuhalten.

Bis um ca.1480 fünf (Wettor und Thietor wurden geschlossen, dafür kam das Neue Tor), dann nur noch vier Stadttore und sechs Landstraßen verbanden das mittelalterliche Hameln mit dem Umland. Aus dem Ostertor gelangte man auf die Hannoversche und Hildesheimer Straße, das Mühlentor führte auf die Einbecker, das Brückertor auf die Paderborner Heerstraße und vom Neuen Tor ging es auf die Weser abwärts führende Straße und den Weg nach Holtensen. Wo diese Straßen die Landwehr kreuzten , stand ein festes Gebäude mit einem Schlagbaum, die unerwünschten Gästen den Weg versperrten. Von diesen Zeugen alten Wehrwesens hat sich keiner in alter Form erhalten. Aus den ehemaligen Warten wurden Gasthäuser, Landwirtschaftliche Betriebe oder sie verschwanden ganz. Es gab die Afferdsche, die Rohrser ,die Holtenser, die Berkeler und die Wehrberger Warte. Die sogenannte Tündernsche Warte, an der heutigen Stelle, in dem der Anglerverein seit einigen Jahren sein Zuhause hat, ist aus der Neuzeit und hatte nichts mit der Landwehr zutun. Es gab eine Tündernsche Warte an anderer Stelle, sie hatte auch den Namen Hardtbaum, angeblich nach dem früher in der Nähe gelegenen Ort Harthem. Sie lag in der Nähe der Ohsener Landstraße und ist schon sehr früh eingegangen.

Zur Beaufsichtigung der Landwehre waren sogenannte Knickwarte angestellt. Sollte die Landwehr ihren Zweck erfüllen, so musste dafür gesorgt werden, dass sie immer in guten Zustand war, dass kein Holz daraus gehauen wurde und keine Lücken im Knick entstanden. Zu diesem Zweck mussten von Zeit zu Zeit die Büsche geknickt und die Zweige miteinander verflochten werden. Unbefugtes Holzhauen und Beschädigung der Wälle und Gräben wurden streng geahndet. Auch fanden nachgewiesen seit 1619 regelmäßig Grenzbeziehungen statt, die dazu dienten, etwaige Mängel der Landwehr festzustellen und ihre Beseitigung zu veranlassen. Die Tradition der Grenzbeziehung wird bis in heutiger Zeit von dem "Verein für Grenzbeziehung und Heimatpflege von 1930e.V.Hameln" fortgesetzt.

 
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